Rückblick 2018

 

Die Teilnehmer 2018

Von links: Dietmar und Frauke Nowodworski, Franz-Josef Gärtner, H.D. Gölzenleuchter,

Angelika M. Schäfer

 

Rede zur Kunst am 2.11.2018 , Vernissage zur ART TO TAKE

 

Prof. Katharina Mayer, Düsseldorf

 

Make, shake, rake, lake oder take
Wo und wie kann Kunst wachsen?

Als ich zum ersten Mal mündlich von der Art to take hörte, ging ich
selbstverständlich davon aus, dass es sich um eine Arthotek handelt.
Inzwischen weiß ich um das hübsche Wortspiel, was mir gefällt, denn
der Ort der Kunst ist dort, wohin wir sie mitnehmen, ob in der Tasche, im
Auto oder auch im Kopf.
Was verbindet also die Arthotek und die Art to take?
Die Arthotek ist eine Sammlung von eingekauften Kunstwerken, die
selbigen eine Bühne in Räumen des Lebens bietet. Das heißt es finden
Ortswechsel statt:
Das Kunstwerk wandert vom Atelier in die Sammlung oder ins Museum
und eben auch in private oder halböffentliche Räume wie Kanzleien
und Büros. Kunst im Kontor ist der Titel einer Ausstellung in Aachen
Korneli-münster, die sich mit dieser Verortung der Kunst beschäftigt,
welche seit 70 Jahren vom Land NRW gekauft und verliehen wird.
Diese Ausstellung zeigt auch, wie sich Arbeitsräume verändert haben,
in denen Menschen viel Lebenszeit verbringen und die sie mit Kunst
bereichern.
Ein nachgestellter Büro - Raum ist besonders berührend, weil er die
Berührbarkeit von Kunst an einem Beispiel deutlich macht:
Die Liegende Kuh, eine kleine Skulptur von Ewald Mataré aus Bronze
liegt im Vorzimmer auf einem Tisch. Das anrührende Tier ist im Laufe der
Jahrzehnte noch glatter geworden, denn es zwingt den Menschen fast
hypnotisch, die Hand nach ihm auszustrecken und sie zu streicheln. Die
Stirn dieser Kuh ist glatter als vom Künstler gemacht, die Patina ist ab
„So viele Streicheleinheiten! Wer hätte das in deutschen Amtsstuben
vermutet?“ Und wer vermutet es hier?
Was sehen wir hier? Was bedeutet dieser Ort und diese Veranstaltung?
Lassen wir uns auch hier auf den Ort ein und auf 4 Positionen, die
berühren und vielleicht auch stechen. Denn wie Herbert Achternbusch
einmal sagte: Kunst kommt nicht von Können, sondern von Kontern.

 

Was verbindet also die Arthotek und die Art to take?
Die Arthotek ist eine Sammlung von eingekauften Kunstwerken, die
selbigen eine Bühne in Räumen des Lebens bietet. Das heißt es finden
Ortswechsel statt:
Das Kunstwerk wandert vom Atelier in die Sammlung oder ins Museum
und eben auch in private oder halböffentliche Räume wie Kanzleien
und Büros. Kunst im Kontor ist der Titel einer Ausstellung in Aachen
Korneli-münster, die sich mit dieser Verortung der Kunst beschäftigt,
welche seit 70 Jahren vom Land NRW gekauft und verliehen wird.
Diese Ausstellung zeigt auch, wie sich Arbeitsräume verändert haben,
in denen Menschen viel Lebenszeit verbringen und die sie mit Kunst
bereichern.
Ein nachgestellter Büro - Raum ist besonders berührend, weil er die
Berührbarkeit von Kunst an einem Beispiel deutlich macht:
Die Liegende Kuh, eine kleine Skulptur von Ewald Mataré aus Bronze
liegt im Vorzimmer auf einem Tisch. Das anrührende Tier ist im Laufe der
Jahrzehnte noch glatter geworden, denn es zwingt den Menschen fast
hypnotisch, die Hand nach ihm auszustrecken und sie zu streicheln. Die
Stirn dieser Kuh ist glatter als vom Künstler gemacht, die Patina ist ab
„So viele Streicheleinheiten! Wer hätte das in deutschen Amtsstuben
vermutet?“ Und wer vermutet es hier?
Was sehen wir hier? Was bedeutet dieser Ort und diese Veranstaltung?
Lassen wir uns auch hier auf den Ort ein und auf 4 Positionen, die
berühren und vielleicht auch stechen. Denn wie Herbert Achternbusch
einmal sagte: Kunst kommt nicht von Können, sondern von Kontern.

 

Kapitel 1
Die Nadel im Heu


Angelika M. Schäfer|Nadelobjekte | www.nadelobjekte.de
Ich kann fast sicher sagen, dass es das erste Kunstwerk war, mit dem
ich in Barendorf konfrontiert wurde vor ein paar Jahren. Es war eine
kleine Nadelarbeit von Angelika Schäfer, die ich sah, nachdem ich mit
Studierenden eine Führung durch das Nadel - Museum gemacht hatte.
Ich erinnere mich gut daran, wie diese kleine Arbeit mich berührt hat,
weil sie abgewandert war. Abgewandert und abgewandt vom rein
historisch-Angewandten. Und das braucht die Kunst im Gegensatz zum
Design. Die Arbeit hatte eine Eigenwilligkeit und eine Aura um sich
herum, und das in einer Kleinheit, die zu vergleichen ist mit der Wirkung
der Nagelwerke von Günther Uecker, diese im männlich-Großen.
Ob es sich um das Material Nadel, Papier oder auch Schrift handelt, in
den Arbeiten von Angelika Schäfer werden Strukturen erzeugt,
bewegte Felder, Licht und Schatten, Effekte, die die alltäglichen
Gegenstände verfremden oder auch zum persönlichen Fetischobjekt
machen. Der Ursprung der Künstlerin im Textilhandwerk lässt sich nicht
leugnen. Ähnlich ist dies bei Angelikas Künstlerschwester Ani Albers,
die sich in der Webkunst - ausgehend vom Handwerk - einen Namen
im Bauhaus machte.
Besonders hier ist die künstlerische Form und Beschäftigung Hand in
Hand mit der Biografie gewachsen. Und so wie die Biografie selten
geradlinig ist, so ist auch die Nadel einerseits glatt, sie kann aber eben
auch stechen.

 

Kapitel 2
Des Gärtners Geheimnis


Franz-Josef Gärtner | Malerei |www.franz-josefgaertner.de
Alle echte Kunst ist immer mit etwas Heimlichen oder Geheimen verbunden. (J.Urzidil)
So führte mich die Beschäftigung mit dem Werk von Franz-Josef
Gärtner zu der Frage, die Künstlerinnen und Künstler immer wieder
umtreiben: Die Frage nach der Bedeutung von Figur und Gestalt.
Was kann über den Menschen gesagt werden und was kann eben
nicht gesagt und gezeigt werden. In der Umgangssprache ist Gestalt
äußere Form oder Umriss. Wir meinen mit Gestalt auch die Erscheinung
von Personen, Skulpturen Lebewesen und deren Wirkung und Präsenz.
Schon Herder hob die Fähigkeit der sinnlich-körperlichen Manifestation
in der bildenden Kunst als ihre eigentliche Tiefe hervor.
Für ihn ist die Gestalt nicht länger eine bloße Anschauung, sondern
eine mit den Sinnen erfahrbare und leibliche Tiefe der Körperlichkeit,
die selbst den Hauch des Lebens in sich trägt. Durch ihn gewinnt der
Begriff der Gestalt die Spezifikation einer verbindenden Kraft zwischen
dem innersten Seelenleben und der äußeren Welt.
So sehe ich in vielen Figuren der Bilder Gärtners menschliches Dasein,
was entgrenzt ist. Selten stehen sie auf dem Boden der Realität, haben
Gliedmaßen, Augen, Münder oder Ohren.
Des Gärtners Geheimnis ist die Suche seiner Bild - Protagonisten nach
Dialog, Zeit, Lust, Stille, Balance, Ferne, Neugierde, Sprache, Erinnerung
und Annäherung, welche sich sprachlich in den Bildtiteln zeigen und
bildlich in der Anordnung, Farbgebung und dem Abstraktionsgrad der
Figuren. Begegnungen 2010, ein beeindruckendes Gemälde von Josef
Gärtner hat in mir die Erinnerung hervorgerufen an das berühmte
historische Foto der Stadtgründung Tel Avivs im Jahr 1909. Menschen
aller Altersgruppen und in verschiedenster Kleidung stehen am Strand.
Kein Haus zu sehen, nur der Strand und die Weite. Die vorab
parzellierten Grundstücke wurden mit Hilfe von Muscheln, die
beschrieben wurden, verlost.
Dieses Foto spricht in ähnlicher Weise wie die Bilder von Franz-Josef
Gärtner eine Sprache der Offenheit in viele Richtungen. Sie weckt, was
lang im Sein versteckt.

 

Kapitel 3
Im Lauf der Dinge die Zeit

 

Frauke & Dietmar Nowodworski |www.nowodworski.de
Als ich auf die Homepage des Künstlerpaares F.& D. Nowodworski stieß,
war ich gespannt, wann sich denn der gemeinsame Biografiebaum
endlich trennen würde und ich musste lange scrollen. Denn um
Zwillinge würde es sich ja nicht handeln. In Unna ansässig, haben die
Beiden eine Bildsprache entwickelt, die sich in humorvoll
hintergründigen Objekten zwischen Readymade, Spielzeug und
kinetischem Objekt äußert. Zusammen mit den Bildtiteln wie z.B. Das
Buch mit sieben Siegeln oder Zeitfenster, entstehen Kompositionen aus
unterschiedlichsten vorgefundenen Objekten aus der Welt des Alltags
und verschiedenen Kulturen. Durch die Kombination zweier oder
mehrerer Objekte entsteht ein neues Objekt mit neuem Sinn. Die
verwendeten Dinge kommen aus einer Welt, der sie entrissen wurden
und in der neuen Welt anders zum Klingen kommen.
Vielleicht lässt sich die Haltung erklären aus der Sicht auf die Welt als
ewiger Kreislauf zusammenhängender Gegensätze. Auch wenn die
Welt immer komplexer wird und die digitalen Reize komplizierter, so gibt
es stets Rückbezüge, die in den Arbeiten des Künstlerpaares ganz
bewusst vorgenommen werden.
Der Lauf der Dinge ist ein Kunstfilm der Schweitzer Künstler Fischli und
Weiß aus dem Jahr 1987. Es handelt sich um eine linear in einer
Lagerhalle aufgebauten Aneinanderreihung improvisierter
Vorrichtungen zur Erzeugung von Flammen, Bewegung, chemischen
Reaktionen, Schaum und ähnlichem. Es entsteht eine Kettenreaktion
mit Bewegungsimpulsen. In den Objekten der Nowodworskis geht es in
ähnlicher Weise um eine Verkettung, doch wenige in Bezug auf
grundlegende physikalische Prinzipien. Zum Tragen kommen
gesellschaftliche und kulturelle Fragen, die in manchmal ironisch bis
absurder Weise die Zeit im Rundlauf der Dinge einkreisen.

 

Kapitel 4
Fragen über Fragen


H. D. Gölzenleuchter | Holzschnitte u.a.|www.hdgoelzenleuchter.de
Wie unterscheidet sich ein deutscher von einem afrikanischen
Lebensbaum? Woher kommen Adam und Eva und die anderen
Menschen? Wer wusste, dass die Bücher brennen würden? Wer darf im
Garten der Frauen noch alles mitreden?
Und Fragen über Fragen ist Titel eines Holzschnittes von H.D.
Götzenleuchter, bei dem ich hängen blieb.
Denn dieser Holzschnitt von H.D. Gölzenleuchter ist alles andere als
das, was ich mit einem Holzschnitt verbinde. Nicht flächig, auch nicht
grob geschnitten. Vielmehr stehen im Vorder-und Hintergrund jeweils 2
Figuren, die verdeckt sind von einem Liniengeäst. Hell und diagonal
verlaufen diese Linien. Die Figuren wirken wie Gefangene ihrer eigenen
und der anderen Fragen.
Die Geschichte des Holzschnittes hängt mit dem Buchdruck
zusammen. Das erfahre ich aus dem Lexikon. Und ich kenne Künstler,
die Holzdrucke anfertigen. Ein faszinierendes Verfahren und Handwerk.
Noch vor kurzem habe ich den Totentanz von Hap Grieshaber
gesehen. Auch dieser hat Fragen über Fragen aufgeworfen.
Ich gratuliere zum Landesverdienstorden NRW und einem Leben mit der
Kunst, was ganz sicher im Namen der Humanität steht.
Nur so kann Kunst wachsen, womit wir wieder bei meiner ersten Frage
angelangt sind. Der Frage nach dem Ort der Kunst.
Was wir an allen diesen wunderbaren Arbeiten erkennen können ist:
Der innere Bauplan ist entscheidend für den äußeren.

Es handelt sich um Kunstwerke, die gewachsen sind wie das
Schneckenhaus einer Schnecke!
Wie der Künstler sein Werk nicht, kauft auch sie NICHT ihr Haus. Sie legt
selbst Hand an. Die Schale des Gehäuses entsteht bereits zu dem
Zeitpunkt, wenn die Schnecke sich noch im Ei befindet, und ist beim
Schlüpfen noch winzig klein und weich. In diesem sogenannten Mantel
befinden sich die wichtigen Organe der Schnecke wie z.B. Herz und
Lunge.
Das existenzielle Werk der Schnecke ist das kontinuierliche Wachsen
ihres Hauses und so ist das auch mit dem existenziellen Kunstwerk.
Es ist mit einer lebenslangen Filmblende zu vergleichen. In einzelnen
Etappen und Schritten wird der Schaffensprozess gestaltet.
Was mich umtreibt ist Compassio, das Mitleiden, Mitfühlen und die
Passion. Welche Rolle spielt die Kunst dabei?
Roger Williamsen hat in seiner Zukunftsrede vom Second screen
Menschen bzw. der Filialen Existenz gesprochen. Dieser Begriff hat mich
immer wieder beschäftigt in mehrerer Hinsicht:
Die Filiale als Zweigstelle mehrerer Filialen mit einer Hauptfiliale.
Übertragen wir das auf den Menschen und die Kunst, so ergibt sich die
Frage: Wo und was ist die Hauptfiliale eines Menschen und der Kunst?
Und weshalb lassen wir uns mit unserem ganzen Dasein in vielen
Punkten zu Filialexistenzen machen?
Für mich hat dies viel mit der Haltung zu tun. Zu begreifen, dass jeder
Mensch ein Zentrum nicht hat, sondern ist, von dem Entscheidungen
ausgehen, Emotionen und vieles mehr.
Es muss etwas mit unserem Denken zu tun haben. Auch mit dem
direkten Umgang der Menschen mit Leid, Aggressivität, Armut, etc. So
wie das künstlerische Werk in direkter Verknüpfung zwischen Kopf und
Hand entsteht.
Wir brauchen nicht den willkürlich, externen, beliebigen Raum, sondern
den unwillkürlichen Raum !
Es ist der Raum der Kunst. Der Tempel - Raum - Contemplatio

 

Art to take Iserlohn | 2018 | Katharina Mayer

 

 

 

Rückblick 2017

Beim Aufbau (von links): Angelika M.Schäfer, Jessica M.Toliver, Franz-Josef Gärtner, Hennik Gausling

 ART TO TAKE 2017

Rückblick 2016

ART TO TAKE-Kleine Kunstmesse 2016 | Raumansicht
ART TO TAKE-Kleine Kunstmesse 2016 | Konrad Koppold, Holzgefäße | Thomas Finke, Grafik
ART TO TAKE-Kleine Kunstmesse 2016 | Angelika M.Schäfer, Collagen und Nadelobjekte
ART TO TAKE-Kleine Kunstmesse 2016 | Franz-Josef Gärtner, Malerei
ART TO TAKE-Kleine Kunstmesse 2016 | Raumansicht
ART TO TAKE-Kleine Kunstmesse 2016 | Michaela Schwarzmann, Papierarbeiten

Rückblick 2015

 

ART TO TAKE - Kleine Kunstmesse

 

Zur Vernissage am Freitag, 30. Oktober, 19:00 Uhr begrüßte Thorsten Schick (MdL) Stellvertretender Bürgermeister der Stadt Iserlohn die zahlreich erschienenen Gäste.        

Dr. Susanne Conzen (Städtische Galerie Lüdenscheid) stellte die diesjährigen Teilnehmer

in einer jeweils kurzen Einführung vor. 

 

Franz Joseph Gärtner (Iserlohn), Malerei

Christoph Ihrig (Dortmund) Skulpturen

Katja Oelmann (Iserlohn) Malerei

Angelika M. Schäfer (Iserlohn) Objekte

Ingo Schnieders (Münster) Skulpturen

 

Anschließend gab es bei einem kleinen Imbiss angeregte Gespräche.
 

 

Vernissage ART TO TAKE 2015-Gäste (Foto: Schnieders)
Vernissage ART TO TAKE 2015 Stellvertretender Bürgermeister (MdL) Thorsten Schick (rechts) im Gespräch (Foto:Schnieders)
ART TO TAKE - Kleine Kunstmesse 2015 |Ausstellung | Iserlohn | Museum Barendorf
ART TO TAKE -Kleine Kunstmesse 2015 | Ausstellung | Iserlohn | Museum Barendorf
ART TO TAKE - Kleine Kunstmesse 2015_Iserlohn
ART TO TAKE -Kleine Kunstmesse 2015 | Iserlohn | Museum Barendorf (Foto: Schnieders)

 

Veranstaltungsort

Historische Fabrikanlage Maste-Barendorf | Baarstraße 220-226 |  58636 Iserlohn

 

 

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© Angelika M. Schäfer