Kunst zum Mitnehmen.

Im Vorbeigehen?

Art to take, also?

Und doch: nirgends eine Spur von Eile

Ruhiges "take in" statt hektischem "to go".

Den Blick wagen auf das Kunstwerk, statt auf den Bildschirm.

Geheimnissen auf die Spur kommen. Visuellen, inhaltlichen.

Neugier zulassen.

Gespräche suchen.

Intentionen erkennen.

Sich berühren lassen.

Nachhaltig.

Art to keep, also?

Natürlich.

 

Andrea Reichart

 

 

 

ART TO TAKE - Kleine Kunstmesse 2017

 

Eröffnung:  Freitag, 03. November,19 Uhr

Begrüßung:

Michael Scheffler, stellv. Bürgermeister der Stadt Iserlohn
Zur Kunst:   

Dr. Wienand Geuking, Hrsg. und Chefredakteur des Magazins Westfalium

                                 

 

Ausstellung:

Samstag und Sonntag, 04. und 05. November,

jeweils 10 bis 17 Uhr

 

 

Veranstaltungsort:

Historische Fabrikanlage Maste-Barendorf (Museum Barendorf)|Baarstraße 220-226 | Iserlohn

 

 

 

 

Zur Kunst  

Auszüge der Rede vom Vernissageabend:

 

 

Heutzutage ist Kunst vor allem etwas fürs Museum. Da geht man hin – oder auch nicht – und betrachtet mehr oder weniger interessenlos die Exponate, jedes vielleicht drei Minuten, oder fünf oder fünfzehn Minuten. Dann geht es weiter zum nächsten, und zum übernächsten,schließlich muss man noch ein oder zwei oder drei Dutzend weitere Werke betrachten. Eine echte Beschäftigung mit dem Werk ist da kaum möglich und die Flut der Bilder verstopft den Kopf. Ich bekomme nach der ersten halben Stunde des Gehens und Stehens in einer Ausstellung fast immer Seitenstiche, und das Denken schweift von der Kunstschau

zur nächsten Sitzgelegenheit, am besten mit Heiß- oder Kaltgetränk.

 

Beim Kaufen und Besitzen eines Bildes, einer Plastik oder eines anderen Kunstwerks ist das ganz anders: Bevor man eine größere Summe seines eigenen Geldes ausgibt,beschäftigt man sich schon etwas intensiver mit dem potenziellen Kaufobjekt, mit seinem Schöpfer, überlegt, ob es den eigenen Wünschen entspricht. Vielleicht hat es ja sogar Wertsteigerungspotenzial:

Wie ist die Marktlage, gibt es viel Vergleichbares, ist es originell, ist es gefragt, wird es künftig gefragt sein? Wie sehen die Fachleute es, hat es Qualität, was macht diese Qualität aus?

Wer Kunst kauft, beginnt ein ganz anderes Spiel, er ist nicht mehr unbeteiligter Betrachter, sondern nimmt Teil am Kunstbetrieb und seiner Faszination.

 

Und wenn das Werk dann erst mal im eigenen Wohnzimmer hängt oder steht, hat man genug Zeit, um es wirklich zu erkunden und vielleicht ja auch zu begreifen – ein ganz besonderer Zeitvertreib in den Zeiten der elektronischen Reizüberflutung, ein bisschen Barockfürst im 21. Jahrhundert.

 

Auch Normalverdiener können das Kunstspiel spielen: Man braucht nicht Tausende von Euros, um ein gutes Kunstwerk zu kaufen. Bei Verkaufsausstellungen wie (...)der „ART TO TAKE“ in Iserlohn (…) werden kleine Arbeiten von renommierten Künstlern schon für einige hundert Euro angeboten. Die meisten Espressomaschinen kosten mehr – und sind doch nur seelenlose Serienprodukte.

 

Wie viel menschliche Mühe, wie viel Gedankenschweiß und menschliche Arbeit materialisieren sich dagegen unmittelbar in einem künstlerischen Original!

In Westfalen gibt es eine Vielzahl von Galeristen, die mit viel Herzblut hochwertige und originelle Werke bekannter und weniger bekannter Künstler zum Kauf anbieten, die Geschichten zu den Arbeiten und ihren Schöpfern erzählen können, die gerne Trainer für das Kunstspiel sind. (...)

 

Dr. Wienand Geuking

 

 

Ich liebe es, mit einer Statue zusammen zu sein.

Ich meine: nicht in den Museen oder in den Ateliers,

wo sie, die Statuen, nur ganz einfach Kunstwerke sind und ich ein Besucher.(...)

Ich meine: In einem Zimmer. Es gefällt mir, für eine Zeitlang dort zu wohnen, wo eine Statue wohnt. Davor stillestehen, sie

anschauen, mit ihr Gedanken tauschen.(...)

Ich werde mir ihr leben, sie in meinem Leben haben und meine

Betrachtungen darüber werden nicht Betrachtungen über

die Werte eines Kunstwerkes sein, aber über ihre Teilnahme an

unserem Dasein, als Figur unseres Daseins.

 

Elio Vittorini (1929-1959)

 

 

 

Teilnehmer 2017

Der Soldat 2015 | Granit | 25 x 25 x 73 cm

 

Im Zentrum des Schaffens von Hennik Gausling steht die künstlerische Auseinandersetzung mit Naturstein. Thema seiner Arbeiten ist der Mensch. Doch nicht das Reale wird ab- oder nachgebildet, sondern seine Skulpturen sind vielfach formale Andeutungen. Mit minimalen Mitteln schafft der Bildhauer rätselhafte, zuweilen an geheimnisvolle Steinzeichen erinnernde Figuren. Durch seine reduzierte Formensprache schafft er es, die Ursprünglichkeit und Kraft des Steins darzustellen und zugleich den Figuren eine Aura des Mystischen zu verleihen. Sie erwecken den Eindruck des Abgekehrtseins, ein Versetztsein in archaische Ruhe, wie sie nur einem Stein innewohnen kann.

 

 

Ohne Titel | 2015  Granit | 15 x 24 x 81 cm

Form 1 gedreht 1 | Skizzenschnitt 2015 | 100 x 40 cm

 

Jessica Maria Toliver setzt sich in ihren aktuellen Arbeiten thematisch mit Form und Struktur auseinander.
Im prozesshaften Aufbau der Werkreihe wird deutlich, dass sie der Zeichnung mehr Raum schenkt und situativ entscheidet, welche Arbeit durch den finalen Schnitt in die Dreidimensionalität gehoben wird. Durch die sich überlagernde Kreuzschraffur, die keineswegs streng linear angeordnet ist, sondern dem rhytmischen Momentempfinden folgt - mal aufbrechend, mal verdichtend - entstehen gazeartige Gewebestrukturen, die durch den Duktus der Kohle an Materialität und Stofflichkeit gewinnen.
Die Weichheit des Kohleabriebs der Zeichnung steht im Kontrast zum Schnitt, der sodann mit Distanz auf den Bilduntergrund montiert wird und ihm so Objekthaftigkeit verleiht.
Neben den Skizzenschnitten und Zeichnungen führt uns die Künstlerin zur Negativform die entsteht, sobald manche Zeichnung im Anschluss an den Schnitt eingefärbt wird und so ihr typisches ''scherenschnitt-schwarz''erhält.
In Verbindung mit der Rauhheit der eingesetzten Materialien ergeben sich eigenständige Arbeiten, die der ehemaligen Form zwar folgen, jedoch grober und archaischer wirken.
Das Motiv der Werkreihe orientiert sich stark am Thema der klar umschriebenen Form.
Es sind streng grafische, den Bildraum teilweise komplett ausfüllende Flächen, welche die Komplexität der inneren Strukturgestalt zusammenhalten und ihr den benötigten Wirkraum lassen.

Gaze | 2017 Skizzenschnitt |100 x 150 cm

                                       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Erinnerung | 2017 Mischtechnik | 60 x40 cm

 

 

 

Franz-Josef Gärtner interessiert der Mensch nicht in seiner Abbildhaftigkeit. So verzichtet er z. B. auf anatomische Richtigkeit, auf Plastizität und Detailgenauigkeit. Gärtner schafft sich durch Abstraktion Figuren, die Erspürtes, Gefühltes, Erahntes, Inneres „transportieren“. Die hellen Bildfiguren verlieren ihre Körperlichkeit und Schwere, es sind Menschen, die sich in ihrer gedanklichen, geistigen und gefühlten Wirklichkeit mitteilen. Die von dem Künstler geschaffenen Räume zielen darauf ab, die innere Befindlichkeit der Bildfiguren auch im Kontext erfahrbar zu machen. Die Beziehung von Figur und Raum ist für das Bildverständnis von grundlegender Bedeutung. Mit großer Sensibilität werden sowohl die Figuren als auch die Räume gestaltet. Mit Linien wird eine Akzentuierung, aber auch Rhythmisierung und belebte Stille bei Figuren und Raum geschaffen. Mit den Farben schafft der Künstler vielfältige Verknüpfungen zwischen Figur und Raum. Die hellen, zarten Farben mit einer Vielzahl von Farbnuancen vermitteln Leichtigkeit, Unbegrenztheit und Offenheit.
Hier wird Gärtners Ziel, ein Bild zu schaffen, das etwas Offenes, Geheimnisvolles behält, deutlich. Seine Bilder entziehen sich dem schnellen begreifenden Zugriff. Dem Betrachter wird viel Spielraum gegeben. Er erhält die Möglichkeit, eigene Gedanken, Erlebnisse, Erinnerugen und Gefühle in die Bilder einzubringen, um sie so noch persönlicher zu erleben.

 

 Begegnungen | 2017

 Doppelseitig | 2016

 

In den Arbeiten von Angelika M. Schäfer (Iserlohn) erhalten Nadeln Raum, Bilder zu malen. Wiederkehrende Reihungen aus Fäden, Nadeln und Lochspuren erinnern an die strukturelle Ordnung des textilen Gewebes oder an Wörter, Texte und Textbilder. Angelika Schäfer sucht in ihren Objekten Kontraste zwischen Form und Linie. Dazu werden in vielfältiger Art Nadeln und Fäden als materialisierte Linen hinzugezogen.Wenn in ihren Collagen immer wieder Bildelemente geschichtet oder Zeitungstexte überklebt und übermalt werden, darf man darin Anspielungen auf Vorgänge des Verdeckens und Verdrängens erkennen.

 Collage | 2017

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© Angelika M. Schäfer