Teilnehmer 2014




 Isabel Friedrich | Frankfurt am Main | Malerei

Meine aktuelle Arbeit thematisiert die Vernetzung realer Geschehensgefüge und innenweltlicher Wahrnehmungsprozesse. Die Protagonisten finden sich - ähnlich wie man es sonst in Traumwelten erlebt, in einem Umfeld wieder, das psychischen Spannungen und Konflikten eine Kontur gibt, die wir sonst häufig nur in unserem Unterbewussten zulassen, um Ängste zu verarbeiten. Triebfeder für meine Arbeit ist die Auseinandersetzung mit typischen Inhalten unserer westlichen Hemisphäre, in der ein immer größer werdender Druck auf den einzelnen sowie Reizüberflutung und Schnelllebigkeit den sich rasant verändernden Alltag der Moderne prägen. Es geht um die Infragestellung und Definition von Werten und derer Bedeutung.

So finden in den teils verstörend wirkenden Bildern abgekoppelte Realitätsfetzen ihren Platz, die durch die Vernetzung einen neuen Inhalt bilden. Beleuchtet werden Beziehungen in ihren unterschiedlichsten Facetten – Beziehungen zu anderen und die Beziehung zu sich selbst. 




Franz-Josef Gärtner | Iserlohn | Malerei

Wie schon in älteren Arbeiten interessiert Franz-Josef Gärtner der Mensch nicht in seiner Abbildhaftigkeit. So verzichtet er z.B. auf anatomische Richtigkeit, auf Plastizität und Detailgenauigkeit.Gärtner schafft sich durch Abstraktion Figuren, die Erspürtes, Gefühltes,Erahntes, Inneres „transportieren“. Die hellen Bildfiguren verlieren ihre Körperlichkeit und Schwere, es sind Menschen, die sich in ihrer gedanklichen,geistigen und gefühlten Wirklichkeit mitteilen.
Die von dem Künstler geschaffenen Räume zielen darauf ab, die innere Befindlichkeit der Bildfiguren auch im Kontext erfahrbar zu machen. Die Beziehung von Figur und Raum ist für das Bildverständnis von grundlegender Bedeutung.
Mit großer Sensibilität werden sowohl die Figuren als auch die Räume gestaltet. Mit Linien wird eine Akzentuierung, aber auch Rhythmisierung und belebte Stille bei Figuren und Raum geschaffen. Mit den Farben schafft der Künstler vielfältige Verknüpfungen zwischen Figur und Raum. Die hellen, zarten Farben mit einer Vielzahl von Farbnuancen vermitteln Leichtigkeit, Unbegrenztheit und Offenheit.
Hier wird Gärtners Ziel, ein Bild zu schaffen, das etwas Offenes, Geheimnisvolles behält, deutlich. Seine Bilder entziehen sich dem schnellen begreifenden Zugriff. Dem Betrachter wird viel Spielraum gegeben. So hat er die Möglichkeit, eigene Gedanken, Erlebnisse, Erinnerugen und Gefühle in die Bilder einzubringen, um sie so noch persönlicher zu erleben        



Thomas M. Hartmann | Mettingen | Skulpturen   

"Meine künstlerischen Objekte entstehen aus vorgefundenen Spuren und Zeichen der Natur oder aus Resten einer vergangenen menschlichen Wirklichkeit. Themen meiner Arbeiten sind die Grundlagen des Werdens und Vergehens und die Entfremdung des Menschen von seinen natürlichen und ideellen Ressourcen."



Walter Hellenthal | Herdecke |Skulpturen             

Hellenthals Werke sind als Gestalt gewordene künstlerische Ergebnisse von Suchprozessen zu verstehen, die sich mit Grundfragen menschlicher Existenz und den Ursprüngen dieser Welt (Polarität, die Spaltung menschlicher Existenz und deren Überwindung u. a.) auseinander setzen:
Immer neue Gedanken und Fragen wie auch Empfindungen und Gefühle bestimmen die immer neu versuchte Durchdringung des Geheimnisses unserer Existenz. Hellenthals Werke sind als mögliche Stationen in diesem Prozess der Annäherung zu sehen.
Dabei geht er in seiner künstlerischen Arbeit von Gegensätzlichkeiten in Material und Form aus, von im Steinbruch gefundenem, gesuchtem oder ausgesondertem Stein (Anröchter Dolomit und Ruhrsandstein mit fossilen Spuren) und Eisen / Stahl. Deren Ausdrucksqualitäten wie Masse und Volumen, ihre Spuren der Be- und Verarbeitung, Ihre Oberflächen und deren Farben regen ihn an. Für ihn besitzen sie eine besondere Energie und Ausstrahlung, die ihm Kraft, Ruhe, Stille und Zeitlichkeit vermitteln. Dennoch bleibt in diesen Materialien das Unzugänglich-Offene, das er in ihrer Gegensätzlichkeit in spannungsvolle räumliche Dialoge bringt, um eine Erfahrung von Einheit (Nicht-Zwei; Cusanus’ coincidentia oppositorum) zu ermöglichen. Oft geschieht dies in einem mehr oder weniger unbewussten oder spontanen Arbeitsprozess und spielerischen Experiment.
So sind seine Arbeiten nicht als Illustrationen der geäußerten Gedanken zu sehen. Es sind in jedem Fall immer neue RELATIONEN.
Es sind autonome, auch für Hellenthal häufig unbekannte, geheimnisvolle Arbeiten, die vor dem Hintergrund seiner jeweiligen Befindlichkeit und der anfangs umschriebenen Fakten entstanden sind, je EINS und NICHT-ZWEI.





             

Angelika M.Schäfer| Iserlohn | Objekte             

Mit Nadeln, Garn und dem spärlichen Einsatz weniger Farbtöne gestaltet Angelika M. Schäfer einen Objekt- und Bildkosmos, der ebenso durch die brillante Einfachheit von Strukturen, wie durch die absolute Sensibilität der Oberfläche besticht.
Im Wesentlichen sind es Stoffe oder Stoffteile, Papiere und vor allem Nadeln und ihre Lochspuren, die diese Materialwelt kennzeichnen. Mal sind es Nadelköpfe, die sich im Bildraum verteilen, mal sind es die spitzen Enden, die herausstechen.
Nadeln erhalten Raum, Bilder zu malen: Ungegenständliches, Zeichenhaftes, wiederkehrende Reihungen aus Fäden, Nadeln und Lochspuren. Dies alles erinnert an die strukturelle Ordnung des textilen Gewebes oder an Wörter, Texte und Textbilder. Es scheinen verschlüsselte Botschaften, rätselhafte Informationen unerklärlichen Inhalts zu sein. Durch Veränderung der Perspektive zeichnen Nadeln Schatten und erwecken den Eindruck von Strichzeichnungen, malen andere Bilder einer neuen Dimension, füllen das ganze Bild, gehen darüber hinaus.
Die Nadel setzt Angelika Schäfer als ein variables, multitasking-fähiges Bild für die vielfältigen Geflechte und Verbindungen ein, die ein Mensch im Laufe des Lebens herstellen und intakt halten muss. Sie nutzt dieses Materialuniversum um wunderschöne, poetische Assoziationen zu erzeugen. Die Nadeln entfalten in ihrer starken Präsenz eine ungeheure Wirkung.

  

Günther Tomczak | Köln |Malerei                   

„Die Bilder Tomczaks sind vielfältigster Art, oft fantastisch, anonym, imaginär. Es handelt sich aber meistens um äussere Landschaften, die als Spiegel einer inneren Landschaft zu verstehen sind. So schwingen in seinen „Landschaften“ Stimmung und Gefühl einer Person mit. Inhaltliche Tiefe in ein Bild zu legen, vermag aber nur ein Künstler, der durch seine Philosophie, seine existenziellen Erfahrungen fähig wurde, solche wiederzugeben.“

So schrieb die Kunsthistorikerin Dr. Marie-Claire Berkemeier-Favre über die Bilder Tomczaks in einem Ausstellungsvorwort.
„Der Berg“ (Öl auf Leinwand, 2012) ist nicht ein Abbild natürlicher Vorgänge, sondern ein Sinnbild innerer Stimmungslagen. Das Licht ist dabei Auslöser; die Wolken, die immerfort wechselnd in Farbe und Form erscheinen, zaubern in ihrer Schwerelosigkeit Flocken, Flecken und sanfte Schleier. Der Berg zentral in die quadratische Format gesetzt, lässt sich nicht beirren, er bleibt standhafter Mittelpunkt des dramatischen Licht- und Luftspiels der Wolken. Mal bedrohlich, mal luftig leicht, umspielen sie das Massiv. Sie kommen und gehen, werden farbige, oft düstere, bedrohliche Gewalt,um dann in heller, duftiger Leichtigkeit zu weichen.