Teilnehmer 2015



Franz Josef Gärtner | Iserlohn | Malerei

Wie schon in älteren Arbeiten interessiert Franz-Josef Gärtner der Mensch nicht in seiner Abbildhaftigkeit. So verzichtet er z.B. auf anatomische Richtigkeit, auf Plastizität und Detailgenauigkeit.Gärtner schafft sich durch Abstraktion Figuren, die Erspürtes, Gefühltes, Erahntes, Inneres „transportieren“. Die hellen Bildfiguren verlieren ihre Körperlichkeit und Schwere, es sind Menschen, die sich in ihrer gedanklichen,geistigen und gefühlten Wirklichkeit mitteilen.
Die von dem Künstler geschaffenen Räume zielen darauf ab, die innere Befindlichkeit der Bildfiguren auch im Kontext erfahrbar zu machen. Die Beziehung von Figur und Raum ist für das Bildverständnis von grundlegender Bedeutung.
Mit großer Sensibilität werden sowohl die Figuren als auch die Räume gestaltet. Mit Linien wird eine Akzentuierung, aber auch Rhythmisierung und belebte Stille bei Figuren und Raum geschaffen. Mit den Farben schafft der Künstler vielfältige Verknüpfungen zwischen Figur und Raum. Die hellen, zarten Farben mit einer Vielzahl von Farbnuancen vermitteln Leichtigkeit, Unbegrenztheit und Offenheit.
Hier wird Gärtners Ziel, ein Bild zu schaffen, das etwas Offenes, Geheimnisvolles behält, deutlich. Seine Bilder entziehen sich dem schnellen begreifenden Zugriff. Dem Betrachter wird viel Spielraum gegeben. So hat er die Möglichkeit, eigene Gedanken, Erlebnisse, Erinnerugen und Gefühle in die Bilder einzubringen, um sie so noch persönlicher zu erleben.


Christoph Ihrig | Dortmund | Skulpturen

Diese neuen Arbeiten unterscheiden sich von früheren Werken durch die Beschränkung auf eine festgelegte Ausgangsform. Jeder der hier gezeigten Skulpturen liegt der gleiche Rohling zugrunde. Der Künstler selbst setzt sich das Maß. 30X30X10 – kein Stein weicht von diesem Maß ab.Innere Form und äußere Gestalt haben sich diesem Maß unterzuordnen. Die äußere Gestalt ist immer ein Quader mit quadratischer Grundfläche, die innere Form bestimmt ein Kreis in räumlich-konvexen Variationen. Auch in Farbe und Material beschränkt sich der Künstler auf zwei Konstanten: die Blöcke sind aus schwarzem Kalkstein und weißem Marmor.
Kreis und Quadrat, schwarz und weiß – in der Aneinanderreihung der Arbeiten wird die Beschränkung deutlich. 30X30X10 – in beinahe klösterlicher Strenge. Wir sehen die innere Form in Variationen, aber der Formenkanon bleibt immer gleich. Der gestalterische Impuls, die künstlerische Idee haben sich dieser Norm unterzuordnen und suchen zugleich innerhalb dieses Rahmens nach vielfältigen Spielarten. Der Künstler sucht seine Freiheit innerhalb streng gesetzter Grenzen.        

                                                                                                 Dr. Andrea Zupanci




Katja Oelmann | Iserlohn | Malerei

Eigentlich fühlt sich Katja Oelmann zu großen, quadratmetergroßen Formaten hingezogen. Gegenwärtig wundert sie sich selbst, dass es kleinformatige Serien sind, die sie erstellt. Eine pralle Farbigkeit wie bei den leuchtenden Arbeiten ihres Vorbilds Emil Schumacher sucht man bei Katja Oelmann derzeit vergebens: „Ich habe doch noch so unendlich viel in schwarz-weiß zu sagen“, erklärt sie die sehr zurückgenommene Farbigkeit ihrer Werke. Dafür gilt der Linie, dem kraftvollen Strich ihre besondere Aufmerksamkeit. Katja Oelmanns Kunst hat etwas unmittelbar Berührendes. Psychologen würden vielleicht sogar von einer suggestiven Atmosphäre sprechen, die den Bildern förmlich entströmt. Der Betrachter spürt jedenfalls das großartige Potenzial, das sich in Zukunft auch noch weiterhin hoffnungsvoll und stark entfalten wird.

Andreas Thiemann, Westfalenpost 2015


      
      

Angelika M.Schäfer| Iserlohn | Objekte             

Mit Nadeln, Garn und dem spärlichen Einsatz weniger Farbtöne gestaltet Angelika M. Schäfer einen Objekt- und Bildkosmos, der ebenso durch die brillante Einfachheit von Strukturen, wie durch die absolute Sensibilität der Oberfläche besticht.
Im Wesentlichen sind es Stoffe oder Stoffteile, Papiere und vor allem Nadeln und ihre Lochspuren, die diese Materialwelt kennzeichnen. Mal sind es Nadelköpfe, die sich im Bildraum verteilen, mal sind es die spitzen Enden, die herausstechen.
Nadeln erhalten Raum, Bilder zu malen: Ungegenständliches, Zeichenhaftes, wiederkehrende Reihungen aus Fäden, Nadeln und Lochspuren. Dies alles erinnert an die strukturelle Ordnung des textilen Gewebes oder an Wörter, Texte und Textbilder. Es scheinen verschlüsselte Botschaften, rätselhafte Informationen unerklärlichen Inhalts zu sein. Durch Veränderung der Perspektive zeichnen Nadeln Schatten und erwecken den Eindruck von Strichzeichnungen, malen andere Bilder einer neuen Dimension, füllen das ganze Bild, gehen darüber hinaus.
Die Nadel setzt Angelika Schäfer als ein variables, multitasking-fähiges Bild für die vielfältigen Geflechte und Verbindungen ein, die ein Mensch im Laufe des Lebens herstellen und intakt halten muss. Sie nutzt dieses Materialuniversum um wunderschöne, poetische Assoziationen zu erzeugen. Die Nadeln entfalten in ihrer starken Präsenz eine ungeheure Wirkung.




Ingo Schnieders | Münster | Skulpturen
 

Wenn man sich auf eine Konfrontation mit dem Werk von Ingo Schnieders einlässt, dann wird einem schmerzhaft bewusst, dass es hier nicht darum geht, ein Bild vom Menschen zu geben.
Schnieders hat diesen ureigenen Anspruch der Bildhauerkunst - wie viele zeitgenössische Künstler - aufgegeben und nimmt den Betrachter dagegen mit auf dem Weg seines Ringens um den Stein.
So unterschiedlich die maximal 30 Zentimeter im Durchmesser messenden Arbeiten auch sein
mögen, bei allen geht es um die äußere und innere Form des Steins, um die Farben und das Licht und um den Versuch, seine im Inneren verborgene Gestalt hervorzubringen und die schönen Seiten hervortreten und leuchten zu lassen.
Dazu kann auch gehören, dem kantigen Stein gerade das Kantige zu nehmen, dem Groben das
Grobe, Unbearbeitete und seine geschmeidige Form hervortreten zu lassen. In anderen Fällen
geht Schnieders so weit, durch Herausarbeiten seiner nach oben strebenden Formen dem Stein
den Eindruck der steinernen Schwere zu nehmen und ihm den Eindruck von Leichtigkeit zu verleihen.
(Zitat: Manfred Buschhaus)